SPD-Schleiden


 

Hurra, die Flitsch ist wieder da.

Eine nostalgische Bahnfahrt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Von Sabrina Greifenhofer


Am Sonntag, 1. August, kamen die still wartenden Schienen in Oberhausen und Hellenthal zum Einsatz. Die Oleftalbahn ratterte über sie hinweg und weckte sie geradezu aus ihrem Dornröschenschlaf. Unsere Autorin fuhr das erste Mal mit der Flitsch und schildert hier ihre Eindrücke der Eröffnungsfahrt des historischen Schienenbusses.

 

Viele Besucher warten auf dem Kaller Bahnhof. Sie warten auf die Ankunft des roten MAN-Schienenbusses aus Bonn. Dieser ist bei seiner Ankunft in Kall bereits gefüllt. Der einzelne Waggon wirkt wie ein Relikt aus älterer Zeit, als er im Bahnhof eintrudelt. Und eigentlich ist er das auch. Ganze 126 Jahre hat die Oleftalbahn auf dem Buckel. Aber gerade ihr Alter soll kein Grund sein, die Schienenstrecke zwischen Kall und Hellenthal verwildern zu lassen. Die Bus- und Bahninitiative Schleiden setzt sich darum für den Erhalt der historischen Bahn ein und erschließt schrittweise die Eifelstrecke. Zuerst tuckerte das Gefährt nur von Kall nach Schleiden, im Dezember 2008 fuhr sie bis Oberhausen, August 2009 war der große Auftritt des Blumenthaler Bahnhofs und in diesem Jahr begrüßt die Bahn wieder Hellenthal.

Dass sich wenige Zeit später auch ein weiß-grüner Schienenbus an den roten Gefährten aus Bonn anschließt, beruhigt mich, denn der Andrang auf die kompakten Wagen ist groß. Und so bleibe ich auch im Eingangsbereich stehen und ergattere keinen Platz mehr.

Von der Decke hängt eine Weihnachtsbeleuchtung, vielleicht ein Überbleibsel des Einsatzes der Bahn an Weihnachten, die Gepäcknetze und die Holzverkleidung erinnern mich an Szenen aus älteren Filmstreifen. Mit dem Innenleben einer heutigen Bahn, hat die Flitsch nicht viel gemeinsam – zum Glück. Denn in dem urigen Wagen fühlt man sich wahrhaftig wie in der Zeit zurückversetzt. Nostalgie pur. Und irgendwie wirkt gerade diese Atmosphäre angenehm verwirrend. Schwenkt der Blick nämlich über den Gang, den Bahnführer (korrekter eigentlich: Triebfahrzeugführer) und die Decke, so überschleicht einen das Gefühl, in einer bereits vergangenen Zeit festzustecken. Draußen aber fahren Autos vorbei, sitzen Jugendliche mit Handy und I-Pod. Und genau dieser Blick aus dem Fenster heraus erinnert an die Gegenwart, in der sich die alte Flitsch und damit auch alle ihre Insassen befinden. Die Fahrt mit der nostalgischen Bahn ist wie ein Schlupfloch in Raum und Zeit: Innen Vergangenheit – Außen Gegenwart. Dabei ist ihr regulärer Einsatz noch gar nicht so lange her. Vor etwa dreißig Jahren fuhr die Flitsch als reguläres Verkehrsmittel. Niemand hätte auf dem Weg zur damaligen Kreisstadt Schleiden nostalgische Assoziationen mit dem Schienenbus gehabt. Heute stehen einige Bewunderer am Rand, besonders älteren Kalibers. Sie winken der Flitsch und den Reisenden zu und erinnern sich daran, wie sie mit einem solchen Gefährt zur Schule gefahren sind.

Die Bahn gleitet nicht über die Schienen, sie ruckelt regelrecht und bei jedem Bahnübergang startet sie ein Lautkonzert, um Autos vor ihrer Durchfahrt zu warnen. Und bei jeder Anfahrt nimmt mir der Ruck, mit dem sich die Bahn in Bewegung setzt für wenige Sekunden den Atem. Die Fahrt mit der nostalgischen Bahn ist doch beeindruckend spürbar.

Auf einem weißen Schild über der Fahrerkabine steht, dass dieser Waggon 66 Sitz- und nochmal 55 Stehplätze bereit hält. Und diese sind an diesem Sonntag sicherlich auch voll ausgenutzt. Das Interesse an der Bahn ist groß. Immer wieder passiert sie ambitionierte Fotografen, die entlang des Schienenverlaufs den idealsten Platz suchen, um ein möglichst eindrucksvolles Bild der Bahn zu schießen.

Je näher wir dem Zielbahnhof Hellenthal kommen, desto enger wird es im Schienenbus.

Das große Interesse an der historischen Bahn ist ein großes Kompliment an die Veranstalter und Initiatoren der Aktion. Die Bahn- und Businitiative Schleiden erweckt die alte Flitsch regelmäßig in Kooperation mit der Rhein-Sieg-Eisenbahn Bonn GmbH zum Leben. Am 22. August wird die Oleftalbahn ihre Mitreisenden zum historischen Jahrmarkt zum Dorfplatz in Olef bringen. Diese Dorfplatzüberfahrt, die die Bahn direkt in den Kernpunkt des Ortes zwischen Kirche, Häuser und Stände führt, ist deutschlandweit einmalig.